©Wolfgang Schmidhuber

Gedenken an die Opfer von NS-„Euthanasie“ in Oberbayern

Auf unserer Bezirksversammlung in Ebersberg haben wir eine Resolution zur Förderung des Gedenkens an die Opfer der NS- „Euthanasie“ verabschiedet.
Unsere Bezirksvorsitzende Agnes erklärte bei der Einbringung der Resolution: 

Nach Berechnungen von Experten hat jeder und jede achte Deutsche ein Opfer der NS-„Euthanasie“ unter seinen Vorfahren. Etwa 300 Tausend Menschen wurden im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ und direkt in Heil- und Pflegeanstalten des Dritten Reiches ermordet. Viele der Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde wurden bis heute nicht recherchiert, ebenso wenig das Schicksal jener, die während des Nationalsozialismus Opfer wurden von Zwangssterilisation und Zwangsabtreibungen..
Notwendige Maßnahmen, um die Aufarbeitung der NS-„Euthanasie“ in Oberbayern voranzubringen, haben wir in der Resolution des Bezirksvorstandes zusammengefasst. 
Aufgrund des tragisch frühen Todes von Prof. Dr. Hohendorf wurde das Projekt für ein oberbayerisches Gedenkbuch für die Opfer von NS-„Euthanasie“ durch den Bezirk verschoben. 
Wir fordern einen Fahrplan zur zeitnahen Auflage dieses Gedenkbuchs.

Erinnerung und Aufarbeitung sind kein Selbstzweck. Ziel ist, das Gedenken an die Vergangenheit lebendig zu halten als Mahnung für die Zukunft. Ein umfassendes, kollektive Wissen über unsere NS-Vergangenheit hat einen direkten Einfluss auf die Gestaltung der Welt, in der wir leben wollen. Lernen aus der Vergangenheit bedeutet mehr Bewusstsein für Gegenwartsfragen: Wie gehen wir mit Kranken und Menschen mit Handicaps heute um? Wie mit den Minderheiten in unserer Gesellschaft? Wie klappt es mit der Integration und Inklusion? Ich bin mir sicher, dass wir uns diesen Fragen nochmal mit einer anderen Sensibilität stellen, wenn wir die Schicksale unserer oberbayerischen Mitbürgerinnen und Mitbürger kennen, die Opfer wurden der menschenverachtenden NS-Gesundheitspolitik.Die Würde des Menschen ist unantastbar!“ 

Zu Gast auf der anschließenden Podiumsdiskussion waren neben unseren Grünen Fachpolitikerinnen aus Landtag und Bezirk führende Experten zum Thema Psychiatrie und „Gesundheitspolitik“ im Dritten Reich: 
Prof. Dr. med. Michael von Cranach, Psychiater, Mediziner und Autor
Philipp Rauh, M.A., wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich Medizingeschichte an der TU München
Martina Neubauer, Mitglied im Bezirkstag Obb, Bündnis 90 / DIE GRÜNEN
Gabriele Triebel, MdL, Bündnis 90 / DIE GRÜNEN

Die Vorstellung einer Opferbiografie und die gesamte Podiumsdiskussion kann hier angesehen werden: 
https://youtu.be/lbVtuXuILtY

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